Der Karneval

Der Karneval hat sich im Laufe der Zeit in Acireale vor dem Hintergrund einer prächtigen architektonischen Barockkulisse immer mehr entfaltet. Karnevalswagen mit grotesken Figuren, allegorische Blumenwagen und fröhliche Gruppen kostümierter Gestalten ziehen durch die Straßen der Altstadt. Der Karneval von Acireale wird nicht nur als der schönste von ganz Sizilien betrachtet, sondern zählt auch zu den wichtigsten Karnevalsveranstaltungen Italiens. Begeistert lässt sich das Publikum in eine alternative Realität voller Farben und schallender Musik hineinziehen und verleiht dadurch diesem folkloristischen und von den Bürgern zutiefst empfundenen Ereignis sein Lebenselixier.

Den Nachweis dafür, dass die Wurzeln seiner Tradition sehr weit zurückreichen, erbringen Zeugnisse aus dem 16. Jahrhundert, in denen das Fest als spontaner Ausdruck und Wunsch der Bürger sich zu belustigen beschrieben wird. Von jeglichen Zwängen entbunden konnte man sich an diesen Tagen die Freiheit nehmen, die Obrigkeit mit Mitteln der Satire zu verspotten. Anfang des 17. Jahrhunderts war es Brauch, sich gegenseitig mit Zitrusfrüchten und faulen Eiern zu bewerfen. Trotz der mit Begeisterung an diesem Spektakel teilnehmenden Menschenmenge sah sich das Strafgericht 1612 gezwungen, diese Tradition infolge der inakzeptablen Personen- und Sachschäden zu unterbinden. Ende des 17. Jahrhunderts wurde wegen des Erdbebens, das den Osten Siziliens erschüttert hatte, eine Trauerzeit angeordnet, so dass der traditionelle Karneval mehrere Jahre nicht stattfand. Aber schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts lebte der Karneval im Zuge des Wiederaufbaus wieder auf und wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts als organisiertes Fest strukturiert.

Seit dem Jahre 1880 ziehen die Festwagen durch die Straßen. Anfangs führten die reich geschmückten Kutschen des Adels die Parade an, später wurden Wagen mit Pappmaschee-Figuren konzipiert und von örtlichen Handwerkern meisterlich dekoriert. Im Laufe der Zeit wurden aus kleinen allegorischen Figuren die heutigen überdimensionalen Gestalten. Charakteristische Merkmale der Karnevalswagen sind die bunten Karikaturen, die mit satirisch scharfem Witz Kritik an den gesellschaftlichen Gepflogenheiten üben. Einmalig sind die Lichteffekte und die eingebauten mechanischen Vorrichtungen, die einzelne Teile der Figuren in Bewegung setzen. Zusätzlich eingeführt wurden 1930 die „Macchine Infiorate“, mittlerweile große Festwagen, deren Figuren mit Hilfe von unzähligen echten Blumen, Bewegungsmechanik und Lichteffekten gestaltet sind. Seit einigen Jahren erfährt das Karnevalsfest im Sommer eine Wiederholung und die Giganten aus Pappmaschee erleben ihr Comeback auf den Straßen der Innenstadt. Drüber hinaus gibt diese Veranstaltung in der Sommerzeit der Handwerkerschaft und den zahlreichen örtlichen Produzenten die Gelegenheit, ihre typischen Kunstwerke und Waren zur Schau zu stellen.

Festa di San Sebastiano

Das von den Bürgern Acireales meistgeliebte Fest ist das des Co-Schutzpatrons der Stadt, San Sebastiano Martire. Seit mehr als 450 Jahren bringen die Bewohner ihrem Heiligen ihre grenzenlose Verehrung entgegen, die in den Feierlichkeiten am 20. Januar jeden Jahres ihren Ausdruck findet. Zweifelsohne ist dies das von den Bürgern am innigsten herbeigesehnte religiöse Fest. Das Licht der Morgendämmerung hat die prächtige Fassade der großen Basilika, die dem Heiligen gewidmet ist, noch nicht ganz erstrahlen lassen, schon füllt sich der Vorplatz mit Gläubigen in fieberhafter Erwartung. Ungeduldig harren sie darauf, endlich die Kapelle zu erreichen, in der der Heilige das ganze Jahr über aufbewahrt war und ihnen verborgen blieb.

Gegen Mitte des Vormittags erscheint die Statue des Märtyrers „nudo nell’atto di subire il martirio delle frecce” (= entblößt beim Erleiden des Martyriums durch die Pfeile). Sie wird auf einer Sänfte unter einer Art kunstvoll gearbeitetem Baldachin aus dem 18. Jahrhundert getragen. Glockengeläut und ein prächtiges Feuerwerk, das den Himmel mit gleißendem Licht erfüllt, begleiten den Aufzug. Dieser Aufzug ist besonders spektakulär, da die Gläubigen die Sänfte traditionsgemäß barfuß und im Laufschritt zur Mitte des Platzes tragen. Im Laufe der Prozession durch die Straßen und über die Plätze Acireales wiederholt sich dieses Schwindel erregende Laufen noch mehrmals, bis man den Bischofssitz erreicht. Spät in der Nacht erreicht das Fest seinen Höhepunkt, wenn die Statue im Laufschritt zur Basilika zurückgetragen wird.

Festa di Santa Venera

Santa Venera ist die primäre Schutzpatronin von Acireale. Sie wird am 26. Juli nach alten festgelegten Regeln, ähnlich denen des „Festa di Sant’Agata“ in Catania, gefeiert. Die Büste der Heiligen wurde von Mario D’Angelo aus Messina geschaffen und von dem Maler Giacinto Platania dekoriert. In der einen Hand das Evangelium, in der anderen das Kruzifix wird die mit Votivgaben behangene Büste in einer der schönsten Kapellen Siziliens aufbewahrt. Auf der Sockelplatte liegt ein von der Stadt Catania gestiftetes Schwert, mit dem die jahrelange Rivalität zwischen Catania und Acireale beigelegt und ein dauerhafter Frieden besiegelt werden sollte.

Unter einem im Jahre 1659 aus Silber gearbeiteten Baldachin (fercolo) wird die Statue der Jungfrau und Märtyrerin auf einer Sänfte von weiß gekleideten Gläubigen getragen und bei der Prozession mitgeführt. Begleitet wird sie von fünf kunstvoll gestalteten „Candelore“. Es handelt sich dabei um reich verzierte und bunt bemalte, turmartige Holzkonstruktionen, mit Hilfe derer kräftige und erfahrene Männer überdimensionale Kerzen auf ihren Schultern tragen. Diese fünf „Kerzensänften“ stehen für die Zünfte der Schuhmacher, Bäcker, Fischhändler, Maurer und Kunsthandwerker. Zum Takt festlicher Marschmusik werden die „Candelore“ im Wiegeschritt vor der Prozession hergetragen.
Sowohl der Beginn der Prozession, als auch die Rückkehr der Statue in die Kirche vollziehen sich inmitten einer ergriffenen Menschenmenge im Laufschritt. Zum Abend hin geht das Fest seinem Ende zu, wenn die auf dem Platz versammelten Menschen die Heilige zurück in die Kathedrale von Acireale geleiten. Ihre Rückkehr wird von einem grandiosen Feuerwerk und Glockengeläut des Doms untermalt.

Am 14. November wird mit einer kirchlichen Zeremonie der Überführung der Reliquien der Heiligen aus Ascoli Piceno gedacht.

Magma-Filmschau: Kurzfilme

Das im Jahre 2002 ins Leben gerufene Filmfestival Magma ist eines der wichtigsten Festivals für Kurzfilme in Italien, auf dem jedes Jahr eine breitgefächerte Auswahl an kurzen Filmwerken aus aller Welt gezeigt wird. Ihm zugrunde liegt das Erachten von Kurzfilmen als eigenständige Kunstform und als Raum zum Experimentieren mit neuen Stilrichtungen und Tendenzen. Sowohl Nachwuchskünstler als auch bekannte Regisseure können sich auf diesem Festival behaupten. Außer dem internationalen Filmwettbewerb sieht das Veranstaltungsprogramm eigens einen Bereich für die Arbeiten vor, die sich durch ihr besonderes Engagement für das Format Kurzfilm hervorgetan haben. Im Laufe der Jahre hat Magma darüber hinaus eine intensive Zusammenarbeit sowohl mit wichtigen internationalen Festivals, als auch mit ausländischen Filmproduzenten und Filmverleihern aufgebaut.

www.magmafestival.org

Nivarata

Die Nivarata ist das Festival der sizilianischen Granita, der typischen, Sorbet-ähnlichen Süßspeise. Das Fest wurde 2012 ins Leben gerufen und setzt sich für die regionale Herkunft der landwirtschaftlichen Produkte wie auch für die traditionelle und handwerkliche Herstellung dieser kulinarischen Köstlichkeit ein. An den dem „Rito della Granita Siciliana” gewidmeten Tagen kann das Publikum die von Meistern der Speiseeisherstellung aus aller Welt extra zu diesem Anlass kreierten Granita-Sorten kosten und bewerten.

www.nivarata.it

Villa Pennisi in Musica

Bereits seit einigen Jahren organisiert das Kunst- und Kulturzentrum MAR (Musica, Architettura, Ricerca) in dem prächtigen Ambiente der Villa Pennisi in Acireale ein Sommerfestival, das unter Mitwirkung der Stimmführer des „Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia“, Rom und des Architektur-Projektes W-SOUND, Musik und Architektur miteinander in Verbindung bringt. Im Jahre 2012 ist zu den Meisterkursen und Konzerten ein Architektur-Workshop hinzugekommen, der zum Ziel hatte, das ReS (Resonant String Shell), ein ganz neuartiges, umweltfreundliches Bühnengehäuse zu realisieren, welches im Freien gespielte Musik verstärkt und für eine bessere Ausbreitung des Klangs sorgt.

www.vpmusica.com